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  • Mona Lohr

Was kann ich machen, wenn mein Partner eifersüchtig ist?

In einem vorherigen Blogbeitrag habe ich darüber geschrieben, was im Umgang mit der eigenen Eifersucht helfen kann. In diesem Blogbeitrag geht es darum, was ich tun kann, wenn mein Partner eifersüchtig ist.


Als erstes sollten Sie überprüfen, ob es sich für Ihren Partner "sicher" anfühlt, seine Eifersucht mit Ihnen zu teilen. Oder ob Sie wütend, genervt oder anders negativ reagieren würden, wenn Ihr Partner Ihnen sagt, dass er eifersüchtig ist.


Denn die Eifersucht des Partners kann einen selbst triggern. Es kann Angst um die eigene Freiheit entstehen oder ein Gefühl von eingeengt sein. Es kann als Vorwurf oder Misstrauen verstanden werden (vielleicht auch so gemeint sein). Wir können genervt sein: "da müsste er doch drüber weg sein", "das müsste doch wirklich ok sein" usw. Oder es könnten Schuldgefühle da sein, der Impuls, es wieder gut machen zu wollen, es zu "reparieren" und das Gefühl beim Partner weg zu machen. Das alles ist nicht hilfreich.


Hilfreich und Verbindung stiftend wäre es hingegen, wenn Sie Verständnis für die Gefühle Ihres Partners entwickeln: Gefühle sind Gefühle. Und wenn bei dem Partner Eifersucht da ist, ist sie erst mal da. In der Regel steckt ein anderes Gefühl dahinter (häufig Angst vorm Verlassenwerden oder Minderwertigkeitsgefühle). Es kann sein, dass sich die Beziehung wirklich unsicher anfühlt, es kann auch sein, dass es Vorerfahrungen sind, erlerntes Bindungsverhalten / Ängste aus der Kindheit usw. Die Gefühle haben erstmal ein Recht, da zu sein. Und Ihr Partner erzeugt sie ja auch nicht absichtlich - über das Entstehen von Gefühlen haben wir erstmal keinen direkten Einfluss.


Im ersten Schritt, wenn Ihr Partner Ihnen mitteilt, dass er eifersüchtig ist, sollten Sie sich selbst zentrieren (wenn Sie merken, dass einer der oben genannten Mechanismen anspringt). Ruhig durchatmen, Ihre eigenen Gefühle innerlich erkennen und benennen (diese dürfen Sie zu einem späteren Zeitpunkt noch einmal anschauen). Jetzt geht es erstmal um die Gefühle Ihres Partners, die er sich getraut hat, sich Ihnen mitzuteilen. Machen Sie sich bewusst, dass Ihr Verhalten wohlmöglich die Gefühle Ihres Partners ausgelöst hat, Sie aber dennoch nicht verantwortlich sind für die Gefühle Ihres Partners. Diese Unterscheidung ist häufig sehr ungewohnt für uns.


Wenn Sie es Ihnen nun gelingt Ihre Gefühle bei sich zu lassen und die Gefühle Ihres Partners bei ihm zu belassen, dann können Sie selbst ruhig bleiben, und Ihrem Partner wirklich empathisch zuhören. Das heißt, Sie lassen Ihren Partner reden, sind aufmerksam für Ihn da, hören ihm zu, wiederholen gegebenenfalls das Gesagte, damit Ihre Partner weiß, dass Sie ihn richtig verstanden haben. Es kann auch hilfreich sein, die Gefühle des Partners als Frage zu benennen "ich habe den Eindruck, dass du gerade eifersüchtig bist, liege ich richtig?"


Dann können Sie ihm Trost anbieten (z.B. in den Arm nehmen). Aber auch hier sollten Sie vorher fragen. Verhalten Sie sich so, wie Sie es bei einem Kind machen würden. Natürlich ist der Partner kein Kind - jedoch wenn wir von Gefühlen überrollt werden, dann reagieren wir häufig ähnlich wie ein Kind, weil unser "erwachsener Teil" des Gehirns in dem Moment nicht funktioniert. Unterbrechen Sie ihn nicht, rechtfertigen Sie sich nicht, machen Sie ihm keine Vorwürfe, versuchen Sie nicht, das Gefühl ganz schnell weg zu machen .


Was in der Regel hilft, ist dem Partner Rückversicherung zu geben. Sagen Sie ihm, dass Sie ihn lieben. Sagen Sie ihm, warum er so wichtig für Sie ist. Sie können auch sagen, dass es Ihnen sehr Leid tut, dass er sich gerade so fühlt. Achtung hier besteht leicht die Gefahr, wieder in das uns so bekannte Muster von Schuld zu verfallen. Sagen Sie also nicht, dass Ihnen Ihr Verhalten Leid tut (Über Ihr Verhalten, dass die Eifersucht des Partners ausgelöst hat, können Sie ggf. zu einem anderen Zeitpunkt reden) sondern lediglich, dass es Ihnen Leid tut, dass er sich so fühlt. Denn gerade geht es erstmal um die Eifersucht Ihres Partners bzw. das Gefühl dahinter.


Wenn Sie merken, dass dies Ihnen nicht gelingt empathisch und ruhig zuzuhören, weil sie doch selbst emotional sehr aufgewühlt sind, schlagen Sie eine Pause des Gesprächs vor, um sich erstmal sortieren zu können. Seien Sie auch hier transparent z.B.: "ich bin gerade von dem, was du mir sagst, überfordert und merke, dass ich sauer werde. Lass uns bitte in 30 Minuten weiter reden, damit ich mich erst sortieren kann."


Ihr Partner hat natürlich keinen Freischein, seine Eifersucht einfach bei Ihnen in beliebiger Weise "abzuladen". Sie können und sollten Ihre Grenzen wissen und setzten und auch auf eine Pause bestehen, wenn Ihr Partner Sie z.B. anschreit, mit Dingen bewirft, die Türen knallt etc. Sie können dann z.B. sagen "ich habe den Eindruck, dass du eifersüchtig bist. Ich bin bereit mir anzuhören, was in dir los ist - ich möchte mich jedoch nicht anschreien lassen. Kannst du mir etwas ruhiger mitteilen, was in dir vorgeht? Sonst lass uns gerne heute Abend um 20 Uhr darüber sprechen."


Und dann sollten Sie idealer Weise gemeinsam überlegen: Gibt es was, was Ihrem Partner helfen würde, sich sicherer in der Beziehung zu fühlen, was Sie ihm geben können? Könnten z.B. kleine Rituale der Wertschätzung und Rückversicherung helfen? Wo in der Beziehung haben Sie Differenzen, die Sie klären könnten? Wo werden Bedürfnisse des einen oder anderen nicht erfüllt? Könnte die Streitkultur besser sein?


Und dann gibt es natürlich Dinge, für die Ihr Partner selbst verantwortlich ist, auf die Sie nicht viel Einfluss haben. Es sind all die schlechten Erfahrungen, die in alten Beziehungen (zu den Eltern / partnerschaftliche Beziehungen) gesammelt wurden und die Eifersucht auslösen oder verstärken. Diese Gefühle aufzulösen, das liegt nicht in Ihrer Verantwortung, sondern in der Ihres Partners. Sie können Ihn jedoch mit seinen Gefühlen annehmen und verständnisvoll begleiten.

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