Erste Schritte in die Beziehungsöffnung: Welche Experimente sich eignen
Aktualisiert: 6. Okt.
Immer mehr Paare denken darüber nach, ihre Beziehung zu öffnen, sei es aus Neugier, aus dem Wunsch nach persönlicher Entfaltung oder um neue Erfahrungen zu sammeln. Dabei stellt sich die Frage, wie man einen solchen Prozess beginnen kann, ohne die Beziehung zu überfordern oder das Vertrauen zu gefährden.
In diesem Beitrag stelle ich euch einige Experimente vor, mit denen ihr die Öffnung eurer Beziehung behutsam und in überschaubaren Schritten angehen könnt. Welche davon euch am meisten zusagen, hängt unter anderem davon ab, ob ihr lieber gemeinsam Erfahrungen machen möchtet oder jede Person für sich.
1. Die Nähe stufenweise erweitern
Ein vorsichtiger Weg besteht darin, die Öffnung in Phasen zu gestalten und dafür gemeinsam klare, aufeinander aufbauende Grenzen festzulegen. In einer ersten Phase könnte zum Beispiel Kuscheln mit anderen Menschen in Ordnung sein, darüber hinaus aber nichts. Während dieser Phase achtet ihr darauf, wie es euch damit geht, und entscheidet danach, ob ihr die Grenze erweitern möchtet, etwa um Küssen. Auf diese Weise könnt ihr Schritt für Schritt überlegen, in welcher Form ihr die nächste Grenze verschieben wollt.
Zwischen den Phasen nehmt ihr euch Zeit, um eure Erfahrungen auszutauschen und die Absprachen gegebenenfalls anzupassen. Dabei gilt, dass nichts erlaubt ist, was ihr nicht vorher ausdrücklich besprochen habt.
Diese Methode hat mehrere Vorteile:
Sicherheit: Ihr behaltet jederzeit das Gefühl, den Prozess gemeinsam zu steuern.
Gewöhnung: Ihr gewöhnt euch nach und nach daran, dass eure Partnerperson intimen Kontakt mit anderen Menschen hat.
Frühes Erkennen: Unsicherheiten werden sichtbar, solange sie noch klein sind, sodass ihr darüber sprechen könnt, bevor sie sich verfestigen.
Diese Form der Öffnung braucht Geduld und die Bereitschaft, offen über die eigenen Gefühle zu sprechen, kann eurer Beziehung dafür aber viel Stabilität geben.
2. Ausnahmen vereinbaren
Wenn eine Person von euch den Wunsch hat, ein Date mit jemand anderem oder den Besuch einer sexpositiven Party auszuprobieren, könnt ihr auch eine klar umrissene Ausnahme vereinbaren (siehe auch den Beitrag „Monogamie mit Ausnahmen“). Eine solche Ausnahme kann für eine Person gelten oder für euch beide.
So könnte eine Person zum Beispiel einmalig allein eine sexpositive Veranstaltung besuchen oder eine sexuelle Begegnung außerhalb der Beziehung haben, wobei ihr vereinbart, anschließend gemeinsam darüber zu sprechen, wie es war und was es bei euch ausgelöst hat.
Manche Paare finden es hilfreich, von Anfang an eine symmetrische Öffnung auszuprobieren, bei der jede Person einmal eine sexuelle Begegnung mit einer anderen Person haben darf. Dauert es bei einer Person länger, bis sich eine solche Gelegenheit ergibt, wartet die andere so lange. Danach wertet ihr die Erfahrung gemeinsam aus, etwa mit diesen Fragen:
Wie hat es sich angefühlt?
Was hat es ausgelöst?
Möchten wir das wiederholen, oder war es für uns genug?
3. Gemeinsam eine sexpositive Party besuchen
Ein weiterer möglicher Einstieg besteht darin, gemeinsam eine sexpositive Party oder ein Festival zu besuchen, bei dem Körperlichkeit und Konsens im Mittelpunkt stehen. Dabei vereinbart ihr im Vorfeld, dass ihr dort mit keinen anderen Menschen intim werdet, sodass es zunächst nur darum geht, die Atmosphäre kennenzulernen und euch in dieser ungewohnten Umgebung als Team zu erleben. Im Anschluss sprecht ihr über das Erlebnis und überlegt, ob das Setting zu euch passt und ob ihr beim nächsten Mal eine andere Grenze vereinbaren möchtet.
Ein Öffnungstagebuch führen
Unabhängig davon, für welches Experiment ihr euch entscheidet, kann es hilfreich sein, ein Öffnungstagebuch zu führen. Darin haltet ihr fest, welche Gefühle, Ängste und Überraschungen euch begegnen und was gut gelungen ist, sodass ihr später bewusst darauf zurückblicken könnt.
Für die Reflexion eignen sich zum Beispiel diese Fragen:
Was hat sich gut angefühlt, und was nicht?
Gab es Eifersucht, Unsicherheit oder Freude?
Was habe ich über mich gelernt?
Was wünsche ich mir als nächsten Schritt?
Fazit
Die Öffnung einer Beziehung muss keine Entscheidung zwischen allem und nichts sein. Sie kann ein Prozess sein, in dem ihr Schritt für Schritt herausfindet, was sich für euch stimmig anfühlt, und in dem ihr gemeinsam wachst.


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