Monogamie mit Ausnahmen
Aktualisiert: 6. Okt.
Viele Paare, die zu mir in die Beratung kommen, überlegen, ihre Beziehung zu öffnen. Häufig wünscht sich dabei eine Person mehr Freiheit, während die andere sich fragt, ob sie diese Freiheit ermöglichen kann und möchte. Der Gedanke an eine Öffnung ist oft mit großer Unsicherheit verbunden und kann das Gefühl von Sicherheit in der Beziehung infrage stellen. Hinzu kommt, dass das Etikett „offene Beziehung“ mit vielen Vorurteilen behaftet ist und starke Meinungen von außen hervorruft, sei es aus dem Freundeskreis oder aus der Gesellschaft, sodass sich diese Kategorie für viele Paare nicht stimmig anfühlt.
In der Vorstellung ist dabei oft mehreres schwierig. Zum einen fällt schon der Gedanke schwer, dass die eigene Partnerperson Sexualität mit anderen Menschen teilt. Zum anderen kann es verunsichern, dass dies jederzeit und überall geschehen könnte und jeder Mensch, dem ihr begegnet, als mögliche Sexualpartnerin oder möglicher Sexualpartner infrage käme.
Was Monogamie mit Ausnahmen bedeutet
Als eine Form der Öffnung, die ohne das Etikett „offene Beziehung“ auskommt, gefällt mir der Begriff „Monogamie mit Ausnahmen“ sehr. Er beschreibt eine Beziehung, in der ihr grundsätzlich monogam lebt, aber gemeinsam festlegt, welche Ausnahmen es geben darf, und diese Ausnahmen sorgfältig miteinander absprecht. Solche Ausnahmen könnten zum Beispiel so aussehen:
Gemeinsame Erlebnisse: Ihr teilt Sexualität gemeinsam mit anderen Menschen, etwa in einer Konstellation zu dritt.
Bestimmte Zeiten: Die Ausnahme gilt nur zu festgelegten Anlässen, zum Beispiel an Karneval, wenn eine Person allein in den Urlaub fährt, oder an einem vereinbarten Tag im Monat.
Bestimmte Veranstaltungen: Die Ausnahme gilt für festgelegte Anlässe wie sexpositive Partys oder Workshops.
Bestimmte Personen: Mit einer bestimmten Person dürfen Sexualität oder emotionale Nähe geteilt werden, mit anderen Menschen dagegen nicht.
Erweiterte Monogamie: Kuscheln und Küssen mit anderen Menschen ist für euch in Ordnung.
Eine solche klare Festlegung und Begrenzung kann helfen, das Sicherheitsgefühl in eurer Partnerschaft möglichst hoch zu halten und euch zugleich gegenseitig bestimmte Freiräume einzuräumen.
Weitere Anregungen zur Öffnung einer Beziehung findet ihr in meinem Buch „Von Mono zu Poly“.



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