Zehn Elemente für guten Sex
Die Sexologin und Psychotherapeutin Dania Schiftan beschreibt in ihrem Buch „Keep it Coming – Guter Sex ist Übungssache“ zehn Elemente, die guten Sex ausmachen können. Ich finde sie so hilfreich, dass ich sie hier kurz vorstellen möchte. Das Buch selbst kann ich ebenfalls sehr empfehlen, da es viele praktische Übungen enthält, mit denen du die einzelnen Punkte üben und in deine eigene Sexualität integrieren kannst.
Den eigenen Körper kennenlernen
1. Neugier auf das eigene Geschlecht
Wer den eigenen Körper und die eigenen erogenen Zonen gut kennt, kann der Partnerperson auch sagen, was gefällt. Deshalb lohnt es sich, dich selbst zu erforschen und auch Regionen zu berühren, die du sonst vielleicht selten anfasst. Menschen mit Vulva berühren sich zum Beispiel häufig nur selten innerhalb der Vagina. Hilfreich ist außerdem, die Anatomie des eigenen Geschlechts gut zu kennen und benennen zu können.
2. Wertschätzung des eigenen Körpers
Unser Körper ist ein Wunderwerk, unabhängig davon, ob er dick oder dünn, straffer oder weicher ist, und jeder Körper verdient Wertschätzung und Aufmerksamkeit. Du kannst deinen Körper zum Beispiel mit einer Aromadusche verwöhnen oder dich am ganzen Körper eincremen. Auch Kleidung, in der du dich wohlfühlst, trägt dazu bei.
3. Bewegung und tiefe Bauchatmung
Wenn wir uns bewegen und tief in den Bauch atmen, regen wir den Vagusnerv an, der eine wichtige Rolle für Entspannung spielt. Entspannung fördert Freude und einen positiveren Blick auf die Welt und auf die eigene Sexualität. Deshalb kann es sinnvoll sein, beim Sex Bewegung einfließen zu lassen und dabei tief in den Bauch ein- und wieder auszuatmen.
Gemeint ist eine entspannte Bewegung und keine sportliche, bei der der ganze Körper angespannt und die Atmung flach ist, denn eine solche Anspannung aktiviert unser Stresssystem und kann dazu führen, dass Sex eher als stressig erlebt wird. Für die größte Lust ist für die meisten Menschen ein Wechsel zwischen Anspannung und Entspannung hilfreich.
4. Beckenboden und Beckenschaukel
Alle Menschen haben einen Beckenboden, der die Geschlechtsorgane umgibt. Wer lernt, den Beckenboden gezielt anzusteuern, kann die Durchblutung im Genitalbereich steigern und viel Kontrolle über die eigene Erregung gewinnen. Es gibt verschiedene Übungen, mit denen sich der Beckenboden stärken und das Gespür in diesem Bereich verbessern lässt. Die Beckenschaukel ist eine Technik, die beim Sex angewendet werden kann, wobei beide Personen ihr Becken im Rhythmus des Atems schaukeln. Das Buch enthält dazu eine ausführliche Anleitung.
Miteinander in Kontakt sein
5. Gesunder Egoismus
Natürlich möchten wir, dass auch unsere Partnerperson beim Sex auf ihre Kosten kommt. Wenn wir uns jedoch zu sehr auf sie konzentrieren, entfernen wir uns leicht von unserer eigenen Lust. Außerdem kann es sein, dass wir nur vermuten, was ihr gefällt, während sie mitmacht, weil sie glaubt, uns damit einen Gefallen zu tun. Wie wäre es stattdessen, wenn beim Sex jede Person die Verantwortung für das eigene Erleben übernimmt, also auch für die eigene Erregung und Befriedigung? Das bedeutet, Dinge anzuregen, die man selbst mag, und Grenzen zu setzen, wo man etwas nicht mag.
Dabei ist es wichtig, auch der anderen Person zu ermöglichen, Grenzen zu setzen, statt sie zu überrumpeln, wobei ein langsames Herantasten oder eine Nachfrage helfen kann. Beim Grenzensetzen geht es zudem nicht darum, die andere Person zu kritisieren, sondern darum, klar zu zeigen oder zu sagen: „Stopp, das mag ich gerade nicht“ oder „So würde es mir besser gefallen“.
6. Konstruktive Kommunikation
Daran schließt der nächste Punkt an, denn um Missverständnissen vorzubeugen oder sie auszuräumen, hilft vor allem Reden, und zwar vor dem Sex, gegebenenfalls währenddessen und danach. Ihr könnt darüber sprechen, was ihr schön findet und wovon ihr gern mehr hättet, was weniger schön war und wovon ihr weniger möchtet, und auch über Dinge, die ihr gern ausprobieren würdet. Über Sex zu sprechen ist Übungssache und wird leichter, je öfter ihr es tut.
Für solche Gespräche lohnt es sich, gute Momente zu schaffen und euch eventuell sogar dafür zu verabreden. Manchen Menschen fällt es leichter, beim Spazierengehen zu sprechen, weil sie sich dabei bewegen und sich nicht direkt in die Augen sehen müssen, während andere Paare sich lieber schriftlich austauschen, etwa in Briefen. Hilfreich ist es, aus der Ich-Perspektive zu sprechen, sich auf konkrete Situationen zu beziehen und Wünsche statt Vorwürfe zu formulieren.
7. Das Party-Prinzip
Um gemeinsam sexuell zu wachsen, braucht es Offenheit, auch einmal Neues auszuprobieren. Dabei bedeutet ein Ja zum Ausprobieren nicht, dass ihr es auch durchziehen müsst, da ihr jederzeit aufhören könnt, wenn es sich unangenehm anfühlt. Ebenso wenig bedeutet es, dass das Neue danach zu eurem festen Repertoire gehört.
8. Nähe und Zärtlichkeit
Nähe und Zärtlichkeit sollten in einer Beziehung auch außerhalb sexueller Situationen Platz haben. Kuscheln und Küssen müssen nicht immer eine Einladung zum Sex sein, sondern können auch einfach das Bedürfnis nach Nähe oder nach Erotik erfüllen. Wenn eine Person dabei Lust auf Sex bekommt, die andere aber nicht, darf diese klar sagen, dass sie gerade Lust auf Kuscheln oder Küssen hat, aber nicht auf Sex.
Die Lust lebendig halten
9. Balance von Nähe und Distanz
Erotik und Verführung brauchen für manche Menschen ein gewisses Maß an Geheimnis und Distanz. Deshalb kann es sinnvoll sein, einen eigenen Rückzugsort zu haben, eigene Hobbys und Freundschaften zu pflegen, gemeinsam Neues zu entdecken oder auch kleine Geheimnisse voreinander zu haben. Gemeint sind Geheimnisse, die eure Beziehungsvereinbarungen nicht verletzen, wie etwa eine sexuelle Fantasie, die du für dich behältst.
10. Sex haben
In längeren Beziehungen stellt sich sexuelles Verlangen häufig nicht von selbst ein, sodass ihr euch bewusst dafür entscheiden müsst. Es kann deshalb sinnvoll sein, gemeinsam Gelegenheiten für Sex zu schaffen und vielleicht sogar einen Zeitpunkt dafür zu planen. Die oben beschriebenen Elemente können helfen, die Lust zu steigern, denn je leichter ihr in Erregung kommt, was zum Teil Übungssache ist, desto eher bekommt ihr auch Lust auf Sex oder während des Sex. Je regelmäßiger Sexualität einen Platz in eurem Leben hat, sei es auch durch Selbstbefriedigung, Literatur oder Filme, desto wahrscheinlicher wird es, dass ihr Lust darauf bekommt.



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