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Offene Beziehungen und Kinder

Mona Lohr
2. Dez. 2024
3 Min. Lesezeit

Aktualisiert: 6. Okt.

Offene Beziehungen und Polyamorie lassen sich auch mit Familie und Kindern vereinbaren, wenn ihr dabei einige Dinge beachtet.


Wie stark ihr eure Kinder einbezieht

Ist eure Beziehung nur für sexuelle Kontakte geöffnet, kann es sinnvoll sein, die Kinder gar nicht einzubeziehen, denn mit wem ihre Eltern außerdem Sex haben, muss Kinder nicht beschäftigen. Gehören die weiteren Menschen zum näheren Umfeld der Familie, könnt ihr sie auch als Freundinnen oder Freunde vorstellen und vor den Kindern auf intimen Kontakt verzichten.

Bei polyamoren und auf Dauer angelegten Konstellationen kann es dagegen notwendig und sinnvoll sein, die Kinder altersgerecht einzubeziehen. Dafür braucht es gute Absprachen zwischen euch als Eltern. Manche Konstellationen funktionieren sogar als Co-Parenting, bei dem mehrere Erwachsene gemeinsam Elternaufgaben übernehmen, was für alle Beteiligten ein Gewinn sein kann.


Was Kinder brauchen: verlässliche Bezugspersonen

Für Kinder ist es wichtig, beständige und verlässliche Bezugspersonen zu haben, während es zweitrangig ist, ob das ausschließlich die Eltern sind oder ob weitere Menschen hinzukommen. Sehr kleine Kinder verstehen das Konzept von Liebesbeziehungen ohnehin noch nicht. Entscheidend ist, dass ihre engsten Bezugspersonen präsent sind und Zeit und Energie für sie aufbringen, und wenn weitere Menschen das ebenfalls tun, ist das umso besser.

Schwierig wird es, wenn diese weiteren Menschen häufig wechseln, mal nah und mal fern sind oder ohne einen für das Kind nachvollziehbaren Grund plötzlich aus seinem Leben verschwinden. Überlegt deshalb gut, welche Menschen ihr wie weit in das Leben eurer Kinder lasst und wen ihr in eure Familie aufnehmt. Eure Kinder sollten klar wissen, wer ihre beständigen Bezugspersonen sind und wer für welche Anliegen ansprechbar ist. Außerdem brauchen sie die Sicherheit, dass ihre Eltern und festen Bezugspersonen auch dann für sie da sind, wenn Partnerpersonen wechseln, und dass sie ihnen auch in Beziehungskrisen Vorrang geben.


Wenn die Umwelt reagiert

Wenn eure Kinder älter werden, begegnen ihnen unter Umständen die Meinungen ihrer Umgebung. Es kann vorkommen, dass sie gehänselt werden oder dass andere Kinder und Eltern über eure Familie lästern oder eure Kinder sogar ausgrenzen, weil sie in einer Beziehungskonstellation aufwachsen, die von der monogamen Norm abweicht. Zugleich verändert sich die Gesellschaft, da die Toleranz wächst und immer mehr Familien in ungewöhnlichen Konstellationen leben. Je mehr Familien ein offenes Beziehungsmodell sichtbar leben, desto selbstverständlicher wird es und desto mehr Akzeptanz wird es finden.

Für dich selbst ist es wichtig, eine klare Entscheidung zu treffen. Dabei helfen Fragen wie diese:

  • Was möchte ich vor meinen Kindern leben?

  • Was möchte ich nach außen kommunizieren, und mit welchen Reaktionen bin ich bereit, mich und meine Kinder zu konfrontieren?

  • Wann und wie möchte ich es meinen Kindern in welchem Alter erklären?

Es hilft, sich für jedes Alter kindgerechte Formulierungen zu überlegen. Wenn ihr offen mit euren Kindern sprecht, kann es gut sein, dass sie euer Beziehungsmodell spätestens im Jugendalter hinterfragen und sich davon abgrenzen. Dann ist es wichtig, ihre Gefühle auszuhalten und ihnen auf ihre Fragen Rede und Antwort zu stehen. Ebenso solltet ihr klarstellen, dass es sich um euer Beziehungsmodell handelt und sie frei entscheiden können, wie sie selbst leben möchten.


Kinder nicht zu Geheimnisträgern machen

Ungünstig ist es, wenn Kinder zu Geheimnisträgern werden, also von Liebschaften oder Beziehungen außerhalb der Familie wissen, aber niemandem davon erzählen dürfen. Das solltet ihr euren Kindern nicht zumuten, da es starke Unsicherheit und Loyalitätskonflikte auslösen kann. Für Kinder liegt zudem der Schluss nahe, dass etwas, das geheim bleiben muss, nicht erlaubt oder nicht richtig ist. Ein solches Geheimnis verlangt von ihnen emotionale Arbeit und verlagert Verantwortung auf sie, die eigentlich bei den Erwachsenen liegt.

 
 
 

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