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  • Mona Lohr

Wenn Sie überlegen Ihre Beziehung zu öffnen...

Menschen haben unterschiedliche Gründe, um ihre Beziehung zu öffnen. Häufig stehen das Interesse an anderen sexuellen Erfahrungen oder nach emotionaler Nähe mit anderen Menschen im Vordergrund. Sie können einiges tun, um das Öffnen Ihrer Beziehung vorzubereiten:


Wie steht es um unsere Beziehung?

Zu allererst sollten Sie sich fragen: Wo stehen wir als Paar gerade in unserer Beziehung? Was sind die Dinge die gut funktionieren und was sind unsere Baustellen? Ich empfehle Ihnen, Ihre Beziehung nur zu öffnen, wenn Sie gerade keine größeren Baustellen haben. Eine Öffnung der Beziehung aus einem Mangel heraus hat großes Potential, weitere Konflikte mit sich zu ziehen. Die Angst, für jemand "Besseres" verlassen zu werden, wird dann realer, wenn es in der bisherigen Beziehung tatsächlich hakt. Gehen Sie somit erst mal mit sich in die Klärung. Je stabiler Ihr Beziehungs-Fundament ist, desto größer ist auch die Wahrscheinlichkeit, dass eine Öffnung Ihrer Beziehung Sie nicht umhaut und auseinander reißt. Hier kann vor allem das Einüben von guten Kommunikationsfähigkeiten und das Erkennen der eigenen Gefühle und Bedürfnisse und die des Partners sehr hilfreich sein.


Fragen, die Sie sich vorher stellen sollten: Ist mein Partner für mich erreichbar? Kommuniziert er aktiv oder nur auf Nachfrage? Wie sind wir bisher mit Eifersucht in der Beziehung umgegangen? Was sind Gründe dafür, dass wir uns streiten? Und wie lösen wir den Streit? Wie kommen wir wieder zusammen? Wenn Sie nicht streiten: Vermeiden Sie Konflikte? Trauen Sie sich, unangenehme Dinge anzusprechen? Trauen Sie sich, für Ihre Bedürfnisse einzustehen?


Seien Sie ganz ehrlich zu sich: Wollen Sie die Beziehung öffnen, weil Sie in Ihrer Beziehung unzufrieden sind? Fühlen Sie sich nicht richtig gesehen? Nicht richtig wertgeschätzt? Nervt Ihr Partner Sie? Hoffen Sie insgeheim, dass Sie jemand Interessanteres finden, der besser zu Ihnen passt? Das alles wären keine guten Gründe, um die Beziehung zu öffnen. Hier empfehle ich, mit Ihrem Partner erstmal an Ihrer Beziehung zu arbeiten. Oder die Beziehung zu verlassen und dann unabhängig auf neue Partnersuche zu gehen.


Was tun bei schwierigen Gefühlen?

Wenn Paare die Beziehung öffnen, hat häufig erst Mal jeder die schönen Seiten im Kopf: Das aufregende Gefühl, sich mal wieder neu zu verlieben. Oder das Ausleben einer sexuellen Fantasie, die man sich schon lange gewünscht hat. Oder einfach das Entdecken eines neuen Körpers. Sie sollten sich jedoch auch fragen: Wie geht es Ihnen, wenn Sie sich vorstellen, dass Ihr Partner diese Erfahrungen macht? Vielleicht mit jemanden, den Sie auf den ersten Blick attraktiver oder in irgendeiner Art und Weise toller finden als sich selbst?


Auch sollten Sie sich fragen: Was sind Ihre größten Ängste, wenn Sie die Beziehung öffnen? Sprechen Sie mit Ihrem Partner darüber. Und überlegen Sie gemeinsam: Wie würden sie handeln, wenn diese Ängste tatsächlich eintreffen würden? Oder haben Sie Angst, mit Ihrem Partner über Ihre größten Ängste zu sprechen? Was passiert, wenn Sie schwierige Gefühle mit ihrem Partner teilen? Geht Ihr Partner direkt in den Verteidigungs-Modus? Oder blockt er wohlmöglich ab? Oder macht er Ihnen Vorwürfe? Oder versucht er, diese schwierigen Gefühle direkt wegzumachen, in dem er Lösungen vorschlägt? Oder gelingt es ihm, Ihnen erst mal einfach zuzuhören? Wie gehen Sie damit um, wenn Ihr Partner mit Ihnen schwierige Gefühle teilt? Bevor Sie Ihre Beziehung öffnen, ist es hilfreich, das Teilen und Annehmen durch Zuhören von schwierigen Gefühlen miteinander zu üben. Es ist sehr wahrscheinlich, dass Sie diese Kompetenz brauchen werden.


Soll die Beziehung sexuell oder auch emotional geöffnet werden?

Geht es primär um den Wunsch, neue sexuelle Erfahrungen zu machen? Mal wieder einem anderen Menschen / Körper sexuell nahe zu sein? Gibt es bestimmte sexuelle Praktiken, die ihr Partner nicht mag, Sie aber total vermissen? Dann sollten Sie genau dies ausführlich mit Ihrem Partner besprechen. Vielleicht geht es ihm ja auch so. Vielleicht würde es ihn sogar entlasten, wenn er sich nicht mehr als Alleinerfüller aller sexuellen Bedürfnisse fühlt und sich freut, wenn bestimmte sexuelle Vorlieben mit anderen Menschen gelebt werden und der Partner diese Bedürfnisse unabhängig von einem selbst erfüllen kann. Bei bestimmten sexuellen Vorlieben könnten bestimmte sexuelle Gruppierungen / Szenen das Mittel der Wahl sein. Es gibt beispielsweise eine große Community für BDSM in fast jeder größeren Stadt. Online kann sich über Foren ausgetauscht werden. Stehen gemeinsame sexuelle Erlebnisse im Vordergrund könnten Swinger Partys vielleicht interessant sein, zu denen man gemeinsam hingeht. Oder andere Veranstaltungen mit Sex-Positiven-Räume. Auch in der Tantra-Szene wird häufig ein Sex-Positiver Raum geschaffen, in dem es um energetische Berührungen geht und gar nicht unbedingt um Penetration.


Wenn Sie Ihre Beziehung für sexuelle Kontakte öffnen wollen: Setzten Sie sich zusammen und überlegen Sie sich gemeinsam: was wollen wir hier konkret? Welche Absprachen brauchen wir, damit es und beiden gut damit geht? Wie stellen wir sicher, dass wir uns nicht verlieren und in Kontakt bleiben (z.B. regelmäßiger Austausch miteinander). Was von den Erlebnissen wollen wir miteinander teilen oder wollen wir nicht darüber reden? Wie häufig / in welchen Kontexten usw. wollen wir uns bewegen? Sind Gefühle für Andere für uns in Ordnung oder nicht? Was machen wir, wenn einer von uns Gefühle entwickelt? Wie kommunizieren wir unsere Beziehung und das was wir wollen an die Anderen? Bleiben die Personen "anonym" oder kann daraus auch eine Freundschaft entstehen?


Wenn es in erster Linie um Abwechslung und neue Erfahrungen geht, kann auch ein gemeinsamer Tantra Workshop ohne körperlichen Kontakt mit anderen Personen interessant sein, um die eigene paarinterne Intimität zu bereichern und zu erweitern.


Oder geht der Wunsch dahin, sich wieder zu verlieben? Oder mit Menschen, die einem sehr wichtig sind (z.B. sehr gute Freunde) auch Intimität zuzulassen? Darum, jemand Anderen richtig gut kennenzulernen, möglichst dauerhaft im Leben zu behalten, vielleicht sogar eine weitere Beziehung mit ihm zu führen, mit allem was dazu gehört (Intimität, Commitment, Verantwortung übernehmen, Absprachen, Kommunikation...). Dann geht der Weg vielleicht in Richtung Polyamorie. Auch hier sollten Sie als Paar klären: Was können wir uns vorstellen? Brauchen wir Vereinbarungen? Möchten wir uns ein Veto-Recht einräumen? Sehen wir alle Partner als gleichberechtigt an? Was machen wir, wenn die neue Person so wichtig wird, dass wir eine Gleichberechtigung möchten? Was sind unsere Vereinbarungen / Commitments miteinander? Wie viel Freiraum / Selbstbestimmung über seine Zeiten / Dates überlassen wir uns gegenseitig? Wo wollen wir Absprachen? Was sind die eigenen persönlichen Grenzen? Wie wollen wir starten? Wie wollen wir andere Menschen kennenlernen? Wie schaffen wir es, langsam in das Ganze hineinzuwachsen und Schritt für Schritt zu schauen, was uns gut tut? Wie viel Zeit haben Sie für weitere Menschen in Ihrem Leben? Eine wichtige Frage, die Sie sich vorher stellen sollten, ist auch, welche zeitlichen Ressourcen habe ich / möchte ich nach der Öffnung der Beziehung dafür investieren? Wie viel Zeit habe ich einer möglichen weiteren Beziehung zu geben? Oder möchte ich eigentlich nur alle Paar Wochen ein Date haben? Auch das kann beeinflussen, welche Form der Beziehungsöffnung sinnvoll ist.


Wenn nur einer die Beziehung öffnen möchte:

Wenn nur einer von beiden eine Veränderung möchte, gibt es auch hier kein Richtig oder Falsch. In erster Linie gilt es auch hier, sich authentisch seinem Partner mitzuteilen, über seine Wünsche, Bedürfnisse und Vorstellungen zu sprechen. Immer wieder. Sich gemeinsam zu informieren. In Kontakt und im Gespräch bleiben. Dem Partner zuzuhören, mit seinen Bedenken und Ängsten. Und zu schauen, ob es einen ersten Schritt geben kann, den beide bereit sind zu gehen.

Und es kann sein, dass der Partner gar nicht bereit ist, die Beziehung zu öffnen. Dass für ihn klassische Monogamie die einzige Option ist. Hier sollten Sie sich dann fragen: Kann ich mir das vorstellen? Können meine Bedürfnisse auch anders erfüllt werden? (z.B. Bedürfnis nach Abenteuer durch Fallschirmspringen, Bedürfnis nach Abwechslung beim Sex durch gemeinsames Forschen in der monogamen Beziehung, Bedürfnis nach tiefen Kontakten durch tiefe Freundschaften, Bedürfnis nach engem Austausch durch Leben in einer Gemeinschaft, Bedürfnis nach Persönlichkeitsentwicklung durch die Teilnahme an Seminaren, die in diese Richtung gehen). Es ist nie gut, seinen Partner zu zwingen. Oder es einfach zu machen und ihn dann vor vollendete Tatsachen zu stellen. Wenn es jedoch für das eigene Leben absolut notwendig erscheint, eine offene Beziehung oder polyamore Lebensweise zu führen und der bisherige Partner da absolut nicht mitgehen kann und möchte, so kann es auch der beste Weg für alle sein, sich zu trennen, anstatt dauerhaft ein Leben zu führen, mit dem man nicht glücklich wird.


Die Beziehung zu öffnen bringt neben Freude auch Anstrengung mit sich.

Und auch wenn beide die Beziehung öffnen wollen in Richtung offene Beziehung oder Polyamorie: Eine Garantie, dass das der Schlüssel zum glücklicheren Leben ist, gibt es nicht. Es wird in den meisten Fällen anstrengend sein und viel Beziehungsarbeit bedeuten. Es wird Zeit und Ressourcen in Anspruch nehmen. Es kann sehr viel Freude bereiten und auch sehr viel Leid verursachen - manchmal beides gleichzeitig. Das sollte einem bewusst sein, wenn man sich zu dem Schritt entschließt.


Der erste Schritt vor der Öffnung: Wenn Sie ein Paar sind, was grundsätzlich alles zusammen macht, jede Nacht zusammen im gleichen Bett schläft und es Ihnen schwer fällt, Zeit alleine zu verbringen, dann könnte es auch als Vorbereitung sinnvoll sein, vorher zu üben, Zeit alleine zu verbringen, sich eigene Hobbies zu suchen, mal alleine für eine Nacht wegzufahren usw. Denn es ist leichter, erstmal die Erfahrungen des allein sein zu machen, wenn der Partner bei Freunden übernachtet oder mit Freunden ins Kino geht, als wenn das Gefühl des allein seins zum ersten mal aufkommt, wenn der Partner bei seinem ersten Date ist.

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