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  • Mona Lohr

Bindungsfähigkeit und Bindungsstile

Unsere Erfahrungen in der frühen Kindheit und auch unsere Erfahrungen in früheren Beziehungen entscheiden darüber, wie bindungsfähig und damit auch wie beziehungsfähig wir sind.


Nur, wenn wir im Kern (zumindest die meiste Zeit) davon überzeugt sind, dass wir genügen und jemand anderes uns lieben kann, so können wir uns auf Beziehungen einlassen. Sonst sind wir stets auf der Hut und haben Angst, dass wir verlassen werden, wenn wir uns wirklich so zeigen, wie wir sind. Oder wir fühlen uns nur dann sicher in der Beziehung, wenn wir permanente Bestätigung vom anderen erfahren. Oder wir glauben, ganz viel leisten zu müssen, damit wir es wert sind, geliebt zu werden und passen uns dem/der anderen dementsprechend zu sehr an. Menschen, die sich so verhalten, haben zumeist einen ängstlichen Bindungsstil. Ängstlich gebundene Menschen sorgen sich eher, dass andere sich nicht für sie interessieren bzw. dass sie von anderen nicht (genug) geliebt werden. Ihr Selbstwert ist häufig gering und idealisieren andere. Ängstlich gebundene Personen haben ihre Eltern häufig ambivalent erlebt – mal haben sie sich gekümmert und auch mal nicht. Sie haben erlebt, dass ihre Bedürfnisse nicht wichtig waren und oft das Gefühl bekommen, sie seien falsch oder es nicht wert, dass sich um sie gekümmert wird.


Andere haben gelernt, sich gar nicht richtig auf den/die anderen einzulassen. Die Gefühle werden so gar nicht richtig zugelassen. Dieser unbewusste Lösungsansatz dient dazu, dem/der anderen erst gar nicht die „Macht“ zu geben, dass er* einen verletzen könnte. Diese Menschen haben in der Regel einen Fuß noch draußen und sind jederzeit innerlich bereit, die Beziehung zu verlassen. Dieses Bindungsverhalten nennt man „vermeidender Bindungsstil“. Vermeidend gebundene Menschen fühlen sich unwohl, wenn sie anderen Personen nahe sind und können anderen auch nur schwer vertrauen und sich schlecht auf andere einlassen. Sie vermeiden Intimität und damit auch tiefergehende soziale Beziehungen. Die eigene Unabhängigkeit wird betont und in der Regel empfinden sie auch keine große emotionale Abhängigkeit vom Partner. Wenn der/die Partner*in nicht da ist, vermissen sie ihn/sie auch meistens nicht. Sie haben häufig ein positives Bild von sich selbst, aber ein negatives Bild von anderen Menschen. Das Verhältnis zu den eigenen Eltern ist häufig kühl. Vermeidend gebundene Menschen haben meist erlebt, dass ihre Eltern nicht gut für ihre Bedürfnisse gesorgt haben und unzuverlässig waren. Die meisten dieser Kinder haben schon früh gelernt, unabhängig zu werden und „niemanden zu brauchen“.


Das Resultat ist, dass die einen zu sehr „klammern“ und ständige Aufmerksamkeit und Bestätigung einfordern, um sich sicher zu fühlen, während die anderen immer irgendwie auf Abstand bleiben und niemanden richtig an sich heranlassen.


Menschen, die gut Beziehungen führen können, sind sicher gebunden. Sicher gebundene Menschen finden es leicht, Nähe zu anderen Personen aufzubauen und diese auch auszuhalten. Sie befinden sich häufig in einer stabilen, langjährigen Partnerschaft und diese Partnerschaft wird von ihnen als emotional unterstützend empfunden. Sie haben in der Regel ein positives Selbstbild, gute Beziehungen zu ihren Eltern und gute soziale Fähigkeiten. Sicher gebundene Menschen glauben daran, dass sie selbst die Dinge kontrollieren können und nicht von außen gesteuert sind. Menschen mit einem sicheren Bindungsstil haben ihre Eltern als zuverlässige Bezugspersonen erlebt, die stets für ihre emotionalen und körperlichen Bedürfnisse da waren. Oder sie haben im Erwachsenenalter ihre Traumata aufgearbeitet und so einen sicheren Bindungsstil erlernt.  


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