Introvertierte und extrovertierte Partnerpersonen
Aktualisiert: 7. Okt.
Ob wir eher introvertiert oder extrovertiert sind, ist ein wichtiger Teil unserer Persönlichkeit. Die Begriffe gehen auf den Psychiater C. G. Jung zurück, und heute ist Extraversion eine der fünf Dimensionen im Big-Five-Modell der Persönlichkeitspsychologie. Die Ausprägung ist zu einem beträchtlichen Teil angeboren, wobei fast jeder Mensch introvertierte und extrovertierte Anteile in sich trägt und sich je nach Situation mal eher auf die eine, mal eher auf die andere Weise verhält. Meist lässt sich jedoch eine Tendenz in eine Richtung erkennen, und Menschen, die ungefähr in der Mitte liegen, werden manchmal auch als ambivertiert bezeichnet.
Zwischen introvertierten und extrovertierten Menschen kann es leicht zu Missverständnissen kommen, besonders in Partnerschaften, in denen eine Person eher introvertiert und die andere eher extrovertiert ist. Die Unterschiede zeigen sich vor allem in zwei Bereichen.
Woher du deine Energie schöpfst
Extrovertierte Menschen schöpfen Energie aus dem Kontakt mit anderen, während introvertierte Menschen Zeit für sich allein brauchen, um wieder aufzutanken. Der Psychologe Hans Eysenck erklärte das damit, dass das Gehirn introvertierter Menschen schon im Ruhezustand stärker aktiviert ist, sodass zusätzliche Reize schneller zu viel werden. Während extrovertierte Menschen von einer Party mit anregenden Gesprächen oft voller Energie nach Hause kommen, sind introvertierte Menschen danach häufig erschöpft, selbst wenn ihnen die Party gefallen hat.
Das bedeutet nicht, dass introvertierte Menschen sozial weniger geschickt wären. Bei manchen würde man gar nicht vermuten, dass sie introvertiert sind, weil sie gut auf andere zugehen und kommunizieren können, und viele sind auch gern unter Menschen, brauchen danach aber Zeit für sich. Umgekehrt sind auch extrovertierte Menschen manchmal gern allein, doch um neue Energie zu tanken, brauchen sie den Austausch mit anderen.
Wie du deine Gedanken sortierst
Extrovertierte Menschen sortieren ihre Gedanken meist im Gespräch. Sie denken oft beim Sprechen, hören sich dabei selbst zu und lassen das Gesagte direkt in ihr Denken einfließen, weshalb sie kaum Pausen brauchen und vieles laut aussprechen, was ihnen durch den Kopf geht. Introvertierte Menschen denken dagegen lieber in Ruhe nach. Ihnen fällt es schwerer, gleichzeitig zu sprechen und zu denken, und sie brauchen eher eine Pause, um Gesagtes wirken zu lassen.
Im Gespräch kann das dazu führen, dass introvertierte Menschen kaum zu Wort kommen, weil sie Pausen zum Nachdenken bräuchten, die die extrovertierte Person nutzt, um weiterzusprechen. Es kann auch vorkommen, dass eine introvertierte Person auf eine Frage erst einige Tage später antwortet, was extrovertierte Menschen, die gern sofort eine Antwort hätten, ziemlich ungeduldig machen kann.
Wenn eine Person intro- und die andere extrovertiert ist
Allein das Wissen um diese Unterschiede hilft schon viel, einander besser zu verstehen, Missverständnisse und Ärger zu vermeiden und die Kommunikation zu verbessern. Eine Partnerschaft zwischen einer introvertierten und einer extrovertierten Person kann gut funktionieren, wenn beide in dieser Hinsicht Verständnis füreinander mitbringen und einige Dinge beachten:
Redezeit aufteilen: In wichtigen Gesprächen kann es helfen, die Redezeit aufzuteilen, sodass zum Beispiel erst eine Person fünf Minuten spricht und dann die andere. Ihr könnt auch einen Redegegenstand wie einen Stein verwenden, wobei nur die Person spricht, die ihn hält, und dabei auch Pausen machen darf, bis sie ihn weitergibt.
Bedenkzeit vereinbaren: Wenn die introvertierte Person erst über das Gesagte nachdenken möchte, kann sie das aussprechen, und ihr vereinbart einen Zeitpunkt, an dem ihr das Gespräch fortsetzt. So muss sich die extrovertierte Person zwar gedulden, weiß aber, wann sie eine Antwort bekommt.
Vorher nachfragen: Die extrovertierte Person kann sich angewöhnen, vor dem Erzählen zu fragen, ob die introvertierte Person gerade Energie zum Zuhören hat oder erst Zeit für sich braucht, besonders wenn sie gerade von der Arbeit oder einem Treffen kommt.
Ruhezeiten einplanen: Nach Partys oder einem langen Arbeitstag kann es sinnvoll sein, für die introvertierte Person bewusst eine Ruhezeit einzuplanen.
Zuhören und antworten: Die introvertierte Person kann der extrovertierten einen großen Gefallen tun, indem sie gern zuhört, Fragen stellt und sich bemüht, mit Antworten nicht allzu lange auf sich warten zu lassen.
Weitere Kontakte pflegen: Da die introvertierte Person mehr Zeit für sich und weniger soziale Kontakte braucht, ist es sinnvoll, dass die extrovertierte Person auch allein Freundinnen und Freunde trifft oder mit anderen telefoniert, damit ihr Bedürfnis nach Austausch nicht allein von der Partnerperson erfüllt werden muss.
Zum Weiterlesen
Wer sich ausführlicher mit dem Thema beschäftigen möchte, findet in Susan Cains Buch „Still. Die Bedeutung von Introvertierten in einer lauten Welt“ viele anschauliche Beispiele und Anregungen.



Kommentare