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Monogamie - nicht mehr zeitgemäß?

Mona Lohr
1. Okt. 2024
2 Min. Lesezeit

Passt die monogame Beziehungsform noch in unsere heutige westliche Gesellschaft? Immer seltener bleiben Menschen ein Leben lang zusammen. Nach Angaben des Statistischen Bundesamts kommt in Deutschland rechnerisch auf etwa drei Eheschließungen eine Scheidung, wobei die Zahl der Scheidungen seit Jahren sinkt, ebenso wie die Zahl der Eheschließungen. Studien zur Untreue kommen je nach Befragung zu sehr unterschiedlichen Ergebnissen, in manchen gibt bis zur Hälfte der Befragten an, schon einmal fremdgegangen zu sein.


Warum Beziehungen seltener ein Leben lang halten

Dafür gibt es mehrere Gründe. Zum einen sind wir finanziell weniger voneinander abhängig, sodass eine Trennung eher in Betracht kommt, wenn eine Beziehung nicht mehr gut funktioniert, statt unzufrieden zusammenzubleiben. Zum anderen verlangen unsere Lebensmodelle mehr Flexibilität, etwa wenn ein Beruf einen Umzug in eine andere Stadt erfordert, die Partnerperson aber nicht mitziehen möchte.

Außerdem haben viele von uns heute den Luxus, darüber nachzudenken, was wir wirklich vom Leben wollen, und individuelle Entscheidungen zu treffen. Und für viele ist die Vorstellung bedrückend, nie wieder Sex mit einem anderen Menschen zu haben oder sich nie wieder verlieben zu dürfen.


Serielle Monogamie

Das heute am häufigsten gelebte Modell lässt sich als serielle Monogamie beschreiben. Wir führen meist monogame Beziehungen für einen bestimmten Zeitraum, trennen uns und beginnen dann die nächste Beziehung. Nicht ohne Grund spricht man manchmal vom „Lebensabschnittspartner“ oder von der „Lebensabschnittspartnerin“, denn in einer neuen Lebensphase passt vielleicht eine andere Person besser zu den Bedürfnissen, die diese Phase mit sich bringt.


Offene Beziehungsformen als Alternative

Eine Alternative zur seriellen Monogamie können offene Beziehungsformen sein. Je nach Bedürfnis kann das eine sexuell offene Beziehung sein, in der es unter bestimmten Bedingungen in Ordnung ist, dass die Partnerperson mit anderen Menschen intim wird. Es kann aber auch bedeuten, mehrere Liebesbeziehungen gleichzeitig zu führen, was als Polyamorie bezeichnet wird. Ein Vorteil der Polyamorie liegt darin, dass eine neue Verliebtheit erlaubt oder sogar willkommen ist und nicht zur Trennung führen muss, sondern vielleicht zu einer weiteren Beziehung. Der Begriff ist erst seit den 1990er-Jahren verbreitet, und es gibt viele verschiedene Modelle, wie Polyamorie gelebt werden kann.

Die Sozialpsychologin Terri Conley und ihr Team kommen in einer Übersichtsarbeit zu dem Ergebnis, dass Menschen in einvernehmlich nicht-monogamen Beziehungen im Durchschnitt ähnlich zufrieden sind wie Menschen in monogamen Beziehungen (2017, doi:10.1177/1745691616667925).


Glücklich monogam

Zugleich gibt es viele Paare, die seit Jahren glücklich monogam zusammenleben. Manche haben schlicht kein Interesse an sexuellen Erfahrungen mit anderen Menschen, andere entscheiden sich bewusst dagegen. Sie entwickeln sich miteinander weiter und beziehen die andere Person dabei immer wieder ein. Glücklich monogam lebende Paare berichten oft, dass sie aus ihrer Monogamie eine besondere Tiefe schöpfen und weder die Zeit noch den Wunsch haben, weitere Beziehungen einzugehen.


Fazit

Ob Monogamie noch zeitgemäß ist, lässt sich nicht eindeutig beantworten. Für viele Menschen ist sie nach wie vor das passende Modell, während andere in monogamen Beziehungen auf Dauer nicht glücklich werden. Sie haben das Glück, dass andere Beziehungsformen in unserer Gesellschaft immer besser möglich und zunehmend anerkannt sind. Entscheidend ist aus meiner Sicht, dass ihr bewusst wählt, wie ihr leben möchtet, statt ein Modell nur deshalb zu übernehmen, weil es als selbstverständlich gilt.

Wenn ihr überlegt, eure Beziehung zu öffnen, findet ihr ausführliche Anregungen in meinem Ratgeber „Von Mono zu Poly“.

 
 
 

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