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  • Mona Lohr

Sexflaute in längeren Beziehungen

Zuerst: Es ist ganz normal, dass die Lust auf Sex in einer längeren Beziehung abnimmt. Die euphorischen Gefühle des Anfangs sind biochemisch gesteuert und die nehmen ab. Das dauert unterschiedlich lange, zwischen 6 Monaten und 3 Jahren. Es ist biologisch so angelegt, dass wir potentiell weniger Lust auf Sex haben. Wir kennen uns immer besser. Die Leidenschaft wird häufig ersetzt durch Nähe, Vertrauen und Alltag. Für manche Paare ist es auch stimmig, nicht so häufig Sex zu haben. Es gibt keinen Richtwert, wie viel Sex in einer Partnerschaft sein sollte. Jedoch wenn dies nicht für beide stimmig ist und zu Konflikten führt, lohnt es sich gemeinsam hinzuschauen, was vielleicht dazu beitragen kann wieder mehr Lust aufeinander zu haben.


Harmonie ist ein Lustkiller

Leidenschaft lebt von Spannung und Erregung. Je harmonischer eine Partnerschaft ist und desto enger, vertrauter und verbundener die beiden Partner miteinander sind, desto weniger stark ist potentiell auch diese Spannung, die Lust auf Sex macht.

Eine Idee könnte sein, sich gezielte Zeiträume für Sexualität einzuplanen und es einfach mal zu machen, auch ohne dass vorher die riesen Lust und die riesen Spannung da ist. Paaren, die sehr harmonisch miteinander sind, empfehle ich auch, dass sie sich mal mit Tantra und Slow Sex beschäftigen.


Eine andere Idee könnte sein, die Spannung gezielt zu erhöhen: Erotische Geschichten? Rollenspiele, in denen aus den harmonischen Rollen ausgestiegen wird? Kleine Geheimnisse? Das Teilen von geheimen Fantasien? Vielleicht auch welchen, die der andere nicht unbedingt teilt? Gemeinsam neue Wege zu wagen: Swinger Club? Eventuell sogar die Beziehung zu öffnen?


Und auch zu hinterfragen: Ist unsere Beziehung wirklich so harmonisch oder vermeiden wir Konflikte? Und wenn letzteres der Fall ist: sich daran üben, authentischer zu kommunizieren, das Risiko für Konflikte einzugehen und damit aber vielleicht auch die Dynamik und damit auch die Spannung und die Lust in der Beziehung zu verändern.


Dem anderen es Recht zumachen, ist ein Lustkiller

Es gibt viele Menschen, die es gelernt haben, sich in einer Partnerschaft anzupassen. Menchen, die mehr darauf achten, was der andere braucht und nicht was sie brauchen, die es als ihre Aufgabe ansehen, die Wünsche des anderen immer zu erfüllen und dabei ihre Bedürfnisse zu kurz kommen lassen. Ein Partner, der beim Sex die ganze Zeit darauf bedacht ist, dem anderen es recht zu machen, wird häufig von seinem Partner als eher langweilig als erregend wahrgenommen. Im Bett wünschen sich viele einen Partner, der weiß, was er selbst will, wie er selbst Lust bekommt und der auch mal die Führung übernimmt. Und da geht es nicht darum, seinen Partner in seinen Bedürfnissen zu übergehen - sondern lediglich klar zu zeigen, was man selbst möchte und gleichzeitig auch auf die Bedürfnisse des Partners zu achten. Es kann vielleicht auch der Weg sein, dass jeder mal bestimmen darf, was er sich wünscht und der andere einfach die Wünsche erfüllt (soweit er auch Lust darauf hat) und dann die Rollen getauscht werden.


Andere Menschen, die es ihrem Partner sonst immer recht machen und sich sehr anpassen (obwohl sie eigentlich was anderes möchten) nutzen Sex auch unbewusst als eine Art Rebellion: Hier kann mein Partner nicht bestimmen, immerhin den Sex kann ich verweigern. In so einem Fall wäre es sinnvoll sich zu hinterfragen, ob man dieses Verhalten bei sich selbst feststellt und falls ja, sich zu überlegen in welchen anderen Bereichen man seinen Standpunkt stattdessen behaupten könnte - vielleicht ist es dann auch nicht mehr notwendig, sich sexuell zu verweigern.



Stress / Druck ist ein Lustkiller

Häufig kommen Paare in diese Stress / Unlust-Spirale: Sie haben auf der Arbeit stress und dadurch weniger Lust. Dann möchte ein Partner auch noch Sex haben und das setzt den anderen auch noch unter Stress / Druck. Was die ganze Sache nicht besser macht.

Hier empfehle ich auch, Sexualität nicht nur als klassische Penetration anzusehen, sondern viel weiter zu fassen: Auch eine Massage kann "Sex" sein, gemeinsam Baden, sich gemeinsam einen erotischen Film anzuschauen usw. Manchmal kann es auch helfen, den penetrativen Sex explizit auszuschließen, um hier den Druck wegzunehmen. Und vor allem nicht den Orgasmus als Ziel zu haben, sondern die gemeinsame Nähe. Man kann auch vorher die Vereinbarung treffen "jeder ist für seinen Orgasmus selbst verantwortlich", das heißt, wer noch das Bedürfnis hat "zu kommen", legt selbst Hand an. Auch hier empfehle ich, sich mit Tantra und Slow Sex zu beschäftigen. Um überhaupt die Chance zu haben, körperliche Nähe auszutauschen, empfehle ich sich feste "Dates" dafür zu verabreden, wo einer von beiden die Verantwortung hat, den Raum gut zu gestalten, eine Idee mitzubringen was bei diesem "Date" ausprobiert werden kann. Ggf. können sich auch beide einmal zusammensetzten und auf Zettel schreiben, was sie gerne zusammen ausprobieren wollen (z.B. erotische Fußmassage, gemeinsames Bad, Ölmassage der Vulva usw.) und bei einem solchen "Date" wird ein Zettel gezogen.


Elternrolle ist ein Lustkiller

Eltern, vor allem von jungen Kindern, klagen besonders häufig über wenig Sex in der Partnerschaft. Das liegt zum einen daran, dass kleine Kinder viele Ressourcen benötigen und oft nur sehr wenig ungestörte Zeit übrig bleibt. Zum anderen wird häufig ein großer Anteil vom Körperkontakt-Bedarf schon durch das Kind / die Kinder erfüllt.

Und ein großer Punkt ist zudem, dass wenn wir uns in der Elternrolle befinden, wir für sexuelle Lust nicht sehr empfänglich sind: Dann sind wir auf Fürsorge ausgerichtet, sich kümmern, für den anderen da sein. Nähe und Intimität ohne sexuelle Komponente zu geben und zu fühlen.

Das heißt, wollen die Eltern sich als Paar begegnen, müssen sie erst mal Kontakt mit ihrer Rolle als Frau (jenseits der Mutterrolle) und als Mann (jenseits der Vaterrolle) aufnehmen. Dies gelingt häufig erst dann, wenn jeweils Zeit für sich alleine da ist, die unabhängig von den Kindern gestaltet werden kann, wo man sich zumindest in der Zeit wieder besser selbst spüren kann und sich als eigenes autonomes Wesen wahrnehmen kann, unabhängig von der Verantwortung, die man sonst trägt. Der nächste Punkt kann auch helfen, die Elternrolle abzustreifen und besser abzuschalten:


Wie kann ich beim Sex besser abschalten?

Wir erwarten von unserem Körper häufig, dass er sofort umschalten und bereit sein muss, wenn wir beschließen, dass wir jetzt "Sex haben wollen". So einfach ist das häufig jedoch nicht: Wir leben ganz oft in einer Kopf-und Verstand gesteuerten Welt, wir müssen viele wichtige Entscheidungen treffen, auf der Arbeit und in der Familie funktionieren usw.

Unser Verstand ist jedoch beim Sex von Nachteil: Hier ist es gefragt, abzuschalten, die Kontrolle abzugeben.

Zum einen kann es helfen, sich vorher Zeit zu nehmen und alle Gedanken aufzuschreiben, die gerade noch da sind, To-Do's, die nicht vergessen werden sollten usw. Und dann zu wissen "diese Sachen stehen auf dem Zettel, ich habe später wieder Zeit, mich mit ihnen zu beschäftigen".

Dann können Übungen helfen, die uns in unseren Körper bringen: Eine geführte Meditation mit Körperreise, wo wir in unseren Körper hinein spüren, mit ihm in den Kontakt kommen. Eine warme dusche, die wir so richtig auf unserem Körper spüren. Tanzen. Sich selbst berühren und streicheln, sich abklopfen. Sich ausschütteln. Sie werden merken: Nach einem "Vorspiel" dieser Art gehen sie schon ganz anders auf Ihren Partner zu, als wenn sie gerade den Computer zugeklappt haben.


Zu beachten ist: Es kann auch Gründe für sexuelle Lustlosigkeit geben, die gar nicht in der Partnerschaft liegen, sondern hormonelle, physische oder psychische Ursachen haben. Hier lohnt es sich, je nachdem wo die Ursache liegt, sich in ärztliche oder psychotherapeutische Behandlung zu geben.

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