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  • Mona Lohr

Verletzlichkeit in Beziehungen

Aktualisiert: Juli 9

Ein Kern von echter Intimität in Beziehungen ist, sich verletzlich zu zeigen mit allem, was da ist. Sich seine/m/r Partner*in mitzuteilen, wenn man Angst hat oder traurig ist. Seine Schamgefühle zu zeigen. Seine Selbstzweifel zu zeigen.

Anfangs einer Beziehung wollen wir oft den anderen von uns überzeugen und zeigen uns von "unserer besten Seite". Viele von uns denken, "wir müssen was leisten" damit wir "wert sind geliebt zu werden". Wir vergleichen und und denken, alle anderen sind klüger, besser usw. als wir. Wir strengen uns sehr an, um den anderen von uns zu überzeugen und versuchen nur unsere Stärken zu zeigen und die Schwächen zu verstecken.

Diese Anstrengung kann jedoch selten über Jahre einer Beziehung aufrecht erhalten werden. Gleichzeitig sehen wir den anderen, wenn wir ihn kennenlernen, häufig in einem idealisierten Bild, die berühmte rosarote Brille. Wir projizieren unsere Erwartungen und Wünsche auf ihn/sie und denken "endlich den/die perfekte/n Partner*in" gefunden zu haben.

Was dann meistens nach einer Weile folgt ist eine große Enttäuschung. Zum einen geht die rosarote Brille weg und was wir anfangs noch gerade anziehend und spannend beim anderen fanden, fängt an uns zu nerven.

Zum anderen gibt der andere sich auch weniger Mühe, uns zu gefallen, uns alles recht zu machen. Und es zeigen sich immer mehr "Fehler", die unser Bild vom perfekten Partner ins wanken bringen.


Daher sei hier gesagt: Es gibt keine/n perfekte/n Partner*in. Jeder Mensch hat seine Schwächen und Fehler. Seine Verletzungen und Traumata, die häufig ihren Ursprung schon in der Kindheit haben. Dinge, die einen aufwühlen, Dinge, die einen triggern, Dinge die einen sehr traurig machen, Dinge, die man nicht kann oder zumindest nicht so gut, wie man glaubt dass man es können sollte.


In einer wirklich intimen Beziehung gilt es authentisch zu sein. Sich dem anderen zu zeigen, mit all seinen Fehlern und Schwächen. Und auch Verantwortung für diese zu übernehmen.


Dafür braucht es Vertrauen. Vertrauen darin, dass wir auch genügen, wenn wir nicht perfekt sind. Niemand ist perfekt. Vertrauen darin, dass unser/e Partner*in uns auch liebt, wenn er/sie unsere Schwächen sieht. Vertrauen darin, dass wenn unser/e Partner*in uns aufgrund unseren Schwächen ablehnt, wir auch ohne diese Partnerschaft und ohne seine/ihre Liebe klarkommen. Das wir den anderen zwar wollen, aber nicht existentiell brauchen.


Und auch im Umkehrschluss heißt es auch: Bin ich bereit, meine/n/r Partner*in mit seinen/ihren Schwächen anzunehmen? Kann er/sie sich bei mir sicher fühlen mit seiner Verletzlichkeit? Oder signalisiere ich ihm/ihr "ich will dich nur, wenn du meine Erwartungen erfüllst"? oder "ich brauche eine/n Partner*in an meiner Seite, der/die immer stark ist". Wir müssen auch bereit sein, das Bild vom "perfekten Partner" aufzugeben. Es geht darum, sich gegenseitig zu öffnen, zu unterstützen, sich dem Raum zu halten, zu sein, mit all dem, was einem auch Angst macht.


Nur dann ist dauerhafte wirkliche Intimität möglich.

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