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Verliebtsein, Liebe und Partnerschaft

Mona Lohr
27. Okt. 2022
3 Min. Lesezeit

Aktualisiert: 7. Okt.

Was beim Verlieben passiert

Zwei Menschen begegnen sich und fühlen sich voneinander angezogen. Diese Anziehung setzt im Körper eine Reihe von Botenstoffen frei, vor allem Dopamin, das unser Belohnungssystem aktiviert, und Adrenalin, das uns aufgeregt und wach macht. Die Schmetterlinge im Bauch geben uns Energie und lassen uns mit weniger Schlaf auskommen. Die Anthropologin Helen Fisher unterscheidet dabei drei Systeme, die sich überschneiden, aber nicht dasselbe sind, nämlich sexuelles Verlangen, romantische Anziehung und langfristige Bindung, an der vor allem die Hormone Oxytocin und Vasopressin beteiligt sind.

Warum wir uns zu einer bestimmten Person hingezogen fühlen, kann ganz unterschiedliche Ursachen haben. Neben dem Aussehen spielt auch der Geruch eine Rolle. In der bekannten T-Shirt-Studie von Claus Wedekind bewerteten Frauen den Geruch von Männern als angenehmer, deren Immunsystem sich von ihrem eigenen stärker unterschied (1995, doi:10.1098/rspb.1995.0087). Manche Forschende vermuten deshalb, dass wir unbewusst riechen, ob unsere Immunsysteme gut zusammenpassen.

Auch Unerreichbarkeit oder das Gefühl, jemanden erst erobern zu müssen, kann das Verlangen verstärken. Umgekehrt können auch das Gefühl, begehrt zu werden, oder die Euphorie, vielleicht nicht mehr allein sein zu müssen, Verliebtheit auslösen oder verstärken.


Verliebtsein sagt wenig über die Partnerschaft

All das sagt jedoch wenig darüber aus, ob wir mit dieser Person eine gute Partnerschaft führen können. Dafür sind ganz andere Dinge wichtig:

  • Kommunikation: Könnt ihr gut miteinander sprechen, auch über schwierige Themen?

  • Werte und Ziele: Habt ihr ähnliche Werte und ähnliche Vorstellungen davon, wie euer Leben aussehen soll?

  • Verbindlichkeit: Seid ihr beide bereit, Zeit und Energie in eure Beziehung zu stecken, verlässlich zu sein und Verantwortung zu übernehmen?

  • Nähe und Freiraum: Habt ihr eine ähnliche Vorstellung davon, was ihr gemeinsam erleben möchtet und wo ihr euch gegenseitig Freiheiten lassen wollt?


Und was ist mit der Liebe?

Meiner Meinung nach ist Liebe ein universelles Gefühl, das wir grundsätzlich für jeden Menschen empfinden können, so wie wir unsere Kinder lieben und auf eine gewisse Weise auch unsere Freundinnen und Freunde. Die sogenannte romantische Liebe hat noch einmal eine andere Qualität. Sie verbindet oft das Gefühl, dass die andere Person etwas Besonderes ist, mit Dankbarkeit, Wertschätzung und gegenseitiger Annahme, manchmal auch mit dem Gefühl, angekommen oder zu Hause zu sein. Häufig gehört dazu, die andere Person nicht missen zu wollen und sie zu vermissen, wenn sie nicht da ist. Wie sich romantische Liebe zusammensetzt, ist dabei für jeden Menschen etwas anders.

Der Psychologe Robert Sternberg beschreibt Liebe in seiner Dreieckstheorie als Zusammenspiel von Intimität, Leidenschaft und Verbindlichkeit (1986, doi:10.1037/0033-295X.93.2.119). Das Verliebtsein des Anfangs ist vor allem von Leidenschaft geprägt, während Intimität und Verbindlichkeit erst mit der Zeit wachsen. Deshalb sollten wir Verliebtsein nicht mit Liebe gleichsetzen und nicht erwarten, dass die Gefühle des Anfangs immer gleich intensiv bleiben.

Gefühle kommen und gehen, und sie werden durch Neues, durch Unerreichbarkeit oder durch Verlustangst verstärkt. Diese Art von Gefühlen meine ich nicht, wenn ich von Liebe spreche, auch wenn sie häufig mit Liebe verwechselt werden. Es ist sogar möglich, für jemanden romantische Liebe zu empfinden, ohne je verliebt gewesen zu sein.


Worauf eine Partnerschaft gründen kann

Meiner Meinung nach sollte eine Partnerschaft eine bewusste Entscheidung sein, die auf einigen grundlegenden Fragen beruht:

  • Passen wir zusammen, und teilen wir ähnliche Werte und Vorstellungen?

  • Möchten wir beide eine Partnerschaft eingehen und damit auch eine gewisse Verbindlichkeit?

  • Sind wir uns einig darüber, wie viel Zeit und Energie wir in diese Partnerschaft investieren und miteinander teilen möchten?

Darüber hinaus sollte eine körperliche Anziehung vorhanden sein, wobei sich auch diese mit der Zeit entwickeln kann.


Und die Liebe auf den ersten Blick?

Es kann gut sein, dass du dich auf den ersten Blick zu jemandem hingezogen fühlst und eine starke Verbundenheit spürst. Ich würde das jedoch nicht als Liebe bezeichnen, sondern eher als einen möglichen Anfang, aus dem sich mit der Zeit Liebe entwickeln kann.


 
 
 

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